Recycling & Copyright, ein Forschungsprojekt von Stefan Gritsch
Material und Erinnerung
(eine Reflexion)
› Zeit und Ort «Mein Ansatz ist ein poetischer und nicht ein ökonomischer. Die Wiederverwendung von Material, Gegenständen, Werkzeugen usw. erscheint heute im Hinblick auf unsere Ressourcen als etwas Selbstverständliches und Unabdingbares. Wenn ich meine Acrylfarbvolumina nach einer abgebauten Ausstellung neu mit Farbe bearbeite oder zerteile und zu neuen Farbkonglomeraten zusammensetze, dann sehe ich das als eine Geste der Wiederholung, als Reverenz an einen Ort, als Beschäftigung mit dem Phänomen Zeit, als das Aufschieben und als eine Negation des gültigen Bildes. Es geht um eine «Berührung» (um einen «Kontakt»), um eine «Retusche» und um eine «Entwicklung» in die Tiefe. Ich versuche, visuell zu reagieren. Ich suche Nähe und Unschärfe.» SG
FORSCHUNG
Als Forschung bezeichne ich die Suche nach etwas, das ich noch nicht kenne, noch nicht in den Händen habe, die Suche nach etwas, von dem ich als Künstler vor allem nicht weiss wie es aussieht. Dieses unbekannte, verführerische Objekt, das noch im Innern verborgen oder im Entfernten liegt, sich vielleicht als Vision ankündigt, lässt mich nicht mehr los, ich bin mittendrin in einem Ablauf, der mich wieder einmal mehr an den Wendepunkt, in die schöne Krise führt, wo ich mir so lange etwas vormachen kann, bis ich meinen starren, fokussierenden Blick eintausche gegen das unruhige, unsichere Schweifen auf Ab- und Seitenwegen, wo sich alles zerschlägt, und wo das Visuelle als schöne Entstellung der Vision sichtbar wird. Endlich Enttäuschung. Plötzlich diese Sicht. (Stefan Gritsch, aus dem Text ‚ Ein Schnitt in die Farbhaut oder das aufgeschobene Bild)
Bisherige Aktivitäten:
- R&C ist ein Forschungsprojekt im Bereich der Materialforschung (Materialien, Werkzeuge, Werkstätten).
- Hans-Peter Kistler und Stefan Gritsch realisieren 2000 an der HGK Luzern den Raum für Farben (, Anstrichstoffe und Trägermaterialien) als eine Werkstatt und als ein Forschungslabor.
- Die Materialforschung an der HSLU wurde 2003/04 durch die Initiative von Hans-Peter Kistler , Max Wechsler und durch Stefan Gritsch unter dem Titel „Labor Material Licht und Wahrnehmung“ initiiert; dies im Hinblick auf eine noch stärkere Nutzung und Förderung der schon bestehenden Werkstätten der HSLU D&K, welche unbestritten zur hohen Qualität der verschiedenen Studiengänge an der HSLU D&k beitragen.
- 2002/03 wurde die medienübergreifende Plattform OBERFLAECHE+ für Kunststudentinnen und Kunststudenten der Bildmedien eingerichtet und als Ort der Recherche bis 2007/08 von Stefan Gritsch geleitet.
- Als erste Resultate zeigte diese Initiative 2 Publikationen: Stefan Gritsch und Max Wechsler, ACRYLFARBVOLUMINA, Acrylfarbe als plastisches Material, erschienen als Publikation der HGK Luzern, und Stefan Gritsch DAYLIGHT, Editizioni Periferia Luzern mit Texten von Stefan Gritsch und Sibylle Omlin, erschienen anlässlich der Ausstellung Stefan Gritsch, Malerei und Zeichnung im Museum Bellpark Kriens 2004/05.
- 2008 erschien anlässlich der Ausstellung Stefan Gritsch. MIRROR in der Graphischen Sammlung ETH Zürich die Publikation MIRROR, Editioni Periferia und HSLU D&K mit einem Text von Michael Matile.
- 2010 erschien anlässlich der Ausstellung IN BETWEEN im AkuH Hengelo-NL die Publikation STILLNOW mit bisher unveröffentlichten Texten von Stefan Gritsch.
- 2010 stellt Stefan Gritsch der Textildesignerin Nicole Marsch Schnittbilder (Acrylfarbtranchen) zur Verfügung. Nicole Marsch kreiert einen Stoff, welcher später von der Bekleidungsdesignerin Caro Hill für die Kollektion „Gezwitscher“ verwendet wird. Stefan Gritsch verzichtet auf ein Copyright.
- Zur Zeit schreibt Sandra Sykora (Universität Zürich, Kunsthistorisches Institut) an ihrem Buch über das Recht in der Kunst, in welchem sie sich in ihrer Recherche an zentraler Stelle auf das Werk von Stefan Gritsch bezieht. Am 13.05.2011 hält Stefan Gritsch am Kunsthistorischen Institut der Universität Zürich im Zusammenhang zur praxisorientierten Uebung ‚Der Künstler und das Recht’ ein Gastreferat unter dem Titel DAS WERK REZYKLIERT SICH ALS WERKZEUG (eine Werkentwicklung).
Perspektiven:
- 2011 wird sich Stefan Gritsch wieder vermehrt auf den Kern seiner künstlerischen Forschungsarbeit konzentrieren. MATERIAL / MEDIUM (M/M) heisst in diesem Zusammenhang das Forschungsfeld; der Schrägstrich zwischen den beiden „M“ bezeichnet die Geste (Aktion, Handlung) der Künstlerin oder des Künstlers, die sie oder er meistens mit spezifischen Werkzeugen ausführt. Den Materialien, den Werkzeugen und den spezifischen Zugriffen gilt die Aufmerksamkeit von Stefan Gritsch. Hier geht es inhaltlich vor allem um die nun schon seit einiger Zeit festgestellte Möglichkeit der Vertauschbarkeit von Artefakt und Werkzeug (siehe Publikation MIRROR); was sich als Möglichkeit zufällig ergeben hatte, soll nun explizit in den Medien Zeichnung, Malerei und Druck ausgebaut und reflektiert werden. Immer wieder ging es in der künstlerischen Arbeit von Stefan Gritsch um die Wiederholung der immer wieder gleichen Zugriffe auf das Material Farbe (giessen, streichen, sägen, neu zusammensetzen, rezyclieren usw) und um die zyklische Wiederkehr (Wiederholung) von Bildern einzelner Themenkreise (Pressebilder, welche die Konfliktzonen im nahen und mittleren Osten oder in Zentralafrika betreffen). Ereignisse in der (Welt- und Kunst-) Geschichte wiederholen sich in Zeitfalten. Das Ornamentale erscheint im Werk von Stefan Gritsch als visuelle Wiederholung oder Spiegelung von mit Bedeutung geladener Formen; dabei geht es um die künstlerische Bearbeitung der immer wieder gleichen Konflikte in der globalisierten Gesellschaft mit den Mitteln der Camouflage. Diese Recherche steht unter dem Arbeitstitel ZEITFALTEN und ORNAMENT.
- Um diese Vorhaben umzusetzen, ist eine enge Zusammenarbeit mit den Werkstätten der Schule notwendig (Lasermaschine und Textildruck in der Textilabteilung).
- Die Verbindung zwischen Forschung und Lehre ist selbstverständlicher Teil der Arbeit von Stefan Gritsch als Dozent und Forscher an der HSLU D&K.
- Die Zusammenarbeit mit Designerinnen, Designern oder Architekten wird insofern wahrgenommen als dass sie die künstlerischen Interessen von Stefan Gritsch weiter trägt. Im 1. Semester des Studienjahres 2010/11 hat Stefan Gritsch die Dozierenden der Designabteilung der HSLU D&K Doris Kurzmeyer und Frédéric Dedelley in sein Studio L206 nach Littau eingeladen, um eine mögliche Zusammenarbeit auf der Ebene der Lehre an zu streben.
- Weiterhin wird Stefan Gritsch seine Verbindungen zu privaten und öffentlichen Institutionen (Museen und Galerien) pflegen. In diesem Zusammenhang sollte auch eine Publikation zum aktuellen Stand der Künstlerischen Arbeit von Stefan Gritsch angestrebt werden.
- Im Zusammenhang mit dem SNSF (Swiss National Science Foundation / International Short Visits) soll eine Zusammenarbeit mit der Hochschule Karlsruhe (mit Beat Wyss) und mit Prof. Ingo Meller (Hochschule für Grafik und Buchkunst) angestrebt werden.
(Die im vergangenen Jahr unternommenen Anstrengungen im Bereich der Drittmittelbeschaffung (Eingaben bei Stiftungen und Versuche, mit Designfirmen in Geschäftsverbindung zu treten) haben nicht den gewünschten Erfolg gebracht. Dies aus den folgenden, bekannten Gründen: Die Stiftungen fördern zwar Künstler und ihre Projekte, nicht aber Kunstforschungsprojekte der Hochschulen. Die Projekte im Bereich Design erschöpfen sich aus der Position des Künstlers Stefan Gritsch heraus in der Freigabe von Bildvorlagen an interessierte Designer. Mit der Abgabe des Copyrights ist eine Zusammenarbeit zwischen Künstler und Designern von Produktionsfirmen abgeschlossen.)
Stefan Gritsch, Lenzburg/Luzern, im März 2011











