17.12.09, admin
category: general
"Nachdenken über Inhalt" (Milchkrughaut aus Kautschuk) / Hommage an Jan Vermeer "Magd mit Milchkrug".1030430 Kopie“Nachdenken über künstlerische Inhalte” / Hommage an Jan Vermeer, Mädchen mit Milchkrug (Milchkrughaut aus Kautschuk, 2009)RECYCLINGPLATTE Originalgrösse- Vorderansicht(Darstellung) 711 Kopie 3Platte (recykliert aus abgespannten, bemalten Leinwänden: geschnittene Leinwandstreifen und Knochenleim, ca. 1990)
Stoff Gritsch/Marsch

Stoff "Marsch 2009"

Recycling & Copyright. Forschungslabor Stefan Gritsch

MATERIAL UND ERINNERUNG

2.5 Tonnen/2 m3 Material, Acrylfarbe von Stefan Gritsch zu Skulpturen (Acrylfarbvolumina) verarbeitet, sind physische Grundlage und Ausgangspunkt des künstlerischen Forschungsprojektes. Es sind Farbobjekte, die der Künstler seit über zwanzig Jahren für Installationen bearbeitet und die als Werke in Ausstellungen im In- und Ausland zu sehen waren. Diese Objekte werden immer wieder «rezykliert», verändert in andere Konstellationen gefügt und nehmen dabei neue Bedeutungen an. Das Projekt reflektiert diesen künstlerischen Prozess und nimmt ihn als Ausgangspunkt für Fragestellungen, welche die aktuelle (und historische) Kunstproduktion mit gesellschaftlichen Themenfeldern verknüpfen. Durch die immer wieder neue Verwendung der Werkteile wird der Bedeutungswandel des Bildes und auch die Rolle der Autorenschaft, in der von Massenproduktion und digitaler Kommunikation geprägten zeitgenössischen Kunst und Kulturproduktion, anhand eines physisch erlebbaren Prozesses sichtbar gemacht.

Zeit und Ort «Mein Ansatz ist ein poetischer und nicht ein ökonomischer. Die Wiederverwendung von Material, Gegenständen, Werkzeugen usw. erscheint heute im Hinblick auf unsere Ressourcen als etwas Selbstver­ständliches und Unabdingbares. Wenn ich meine Acrylfarbvolumina nach einer abgebauten Ausstellung neu mit Farbe bearbeite oder zerteile und zu neuen Farbkonglomeraten zusammensetze, dann sehe ich das als eine Geste der Wiederholung, als Reverenz an einen Ort, als Beschäftigung mit dem Phänomen Zeit, als das Aufschieben und als eine Negation des gültigen Bildes. Es geht um eine «Berührung» (um einen «Kontakt»), um eine «Retusche» und um eine «Entwicklung» in die Tiefe. Ich versuche, visuell zu reagieren. Ich suche Nähe und Unschärfe.» SG ›

Das Studio L206 in Littau «Seit April 2009 bin ich damit beschäftigt, in meinem Studio L206 in Littau eine grössere Anzahl von Acrylfarbvolumina in Scheiben aufzuschneiden. Die dadurch freigelegten Schnittbilder zeigen den langjährigen Aufbauprozess der Farbobjekte – aber auch ihre zwischenzeitliche Dekonstruktion – als komplexe Spur. Am Ende dieser Arbeitsphase werden mehrere hundert Schnittbilder vorliegen. Meine Absicht ist es, diese Bilder als Ausgangsmaterial für den Entwurf von Alltagsgegenständen zur Verfügung zu stellen. Ich denke dabei z.B. an Textilien in verschiedenen Anwendungen (Bekleidung, Möbelbezüge, Vorhänge usw.). Das beim Aufschneiden der massiven Acrylfarbvolumina freigelegte visuelle Material fliesst in die Entwicklung von textilen Oberflächen ein. Dabei entsteht etwas Neues mit textilspezifischen Eigenschaften, bei dem die ursprünglichen Schnittbilder nicht mehr erkennbar bleiben müssen. Nicole Marsch (Textildesign HSLU D&K) arbeitet mit mir zusammen. Ideen sind eine unendliche Stoffbahn – ein Möbiusband vielleicht: das Vertauschen von Innen und Aussen, das Sich-Verlieren der individuellen, persönlichen Handschrift im anonymen Öffentlichen.» SG