18.07.11, stefan
category: Zitat, general

Jan Vermeer, Ansicht von Delft, Oelfarbeauf Leinwand, 1660/1661, 98,5 x 117,5 cm

Marcel Proust, Auf der Suche nach der verlorenen Zeit, Suhrkamp, ISBN 3-518-37144-4 < 1800 >

Abschrift aus Gilles Deleuze, Proust und die Zeichen, Merve Verlag Berlin, ISBN 3-88396-099-3

(die in Klammern gesetzten Angaben beziehen sich auf die deutsche Ausgabe in 13 Bänden von Marcel Prousts Auf der Suche nach der verlorenen Zeit, Deutsch von Eva Rechel-Mertens. Frankfurt am Main 1964)

Seite 25:

Prosts Werk richtet sich nicht auf die Vergangenheit und die Entdeckung des Gedächtnisses, sondern auf die Zukunft und den Fortschritt des Lehrgangs. Wichtig ist, dass der Held anfangs gewisse Dinge nicht weiss, sie nach und nach lernt und schliesslich eine letzte Offenbarung erhält. Zwangsläufig also muss er Täuschungen erfahren: er “glaubte”, er machte sich Illusionen, die Welt oszilliert im Laufe des Lehrgangs. Damit geben wir der Entwicklung der Recherche wiederum einen linearen Charakter.In Wirklichkeit erscheint diese oder jene Erkenntnis in diesem oder jenem Bereich von Zeichen, wird aber mitunter von Rückschritten in anderen Bereichen begleitet, verschwindet in einer allgemeineren Täuschung, entfernt sich, um anderswo wieder aufzutauchen, immer zerbrechlich, solange die Offenbarung der Kunst das Gesamte noch nicht systematisiert hat. Und es kann auch zu jedem Zeitpunkt geschehen, dass eine spezielle Täuschung die Trägheit bestärkt und das Ganze gefährdet. Daher rührt der grundlegende Gedanke, dass die Zeit aus verschiedenen Reihen gebildet wird und aus mehr Dimensionen als der Raum besteht. Was in der einen gewonnen wird, ist nicht in der anderen gewonnen. Der Rhythmus der Recherche ist nicht einfach von dem bestimmt, was das Gedächtnis beibringt oder was in ihm sedimentiert ist, sondern von den Reihen diskontinuierlicher Täuschungen und von den Mitteln, die in jeder Reihe angewendet werden, um sie zu überwinden. …

Seite 34:

Jenseits der bezeichneten Gegenstände, jenseits der erkennbaren und formulierten Wahrheiten, aber auch jenseits der subjektiven Assoziationsketten und der Auferstehungen durch Aehnlichkeit oder Kontiguität. Es gibt Essenzen, die alogisch oder supralogisch sind. Sie überschreiten die Zustände der Subjektivität nicht weniger als die Eigenschaften des Objekts. Die Essenz ist es, die die wahrhafte Einheit von Zeichen und Bedeutung herstellt; sie konstituiert das Zeichen als eines, das sich nicht auf den es aussendenden Gegenstand zurückführen lässt; sie konstituiert die Bedeutung als eine, die sich nicht auf das sie erfassende Subjekt zurückführen lässt. Sie ist das letzte Wort des Lehrgangs oder der letztendlichen Offenbarung. Eher als durch die Berma nun gelangt der Held der Recherche durch das Kunstwerk, durch die Malerei und die Musik, und vor allem durch das Problem der Literatur zu jener Offenbarung der Essenzen. Die gesellschaftlichen Zeichen, die Zeichen der Liebe und selbst die sinnlichen Zeichen sind unfähig, uns die Essenz zu geben: sie nähern uns ihr an, aber wir fallen immer wieder zurück, in die Falle des Objekts, in die Netze der Subjektivität. Erst auf der Ebene der Kunst werden die Essenzen enthüllt. Haben sie sich erst einmal im Kunstwerk manifestiert, so wirken sie in alle anderen Bereiche zurück; wir lernen, dass in allen Arten von Zeichen, in allen Formen der Lehre sich schon verkörperten, schon da waren. …

Seite 36:

Was ist eine Essenz, wie sie im Kunstwerk offenbart wird? Es ist eie Differenz, die höchste und absolute Differenz. Sie konstituiert das Sein, sie lässt uns das Sein begreifen. Daher ist allein die Kunst, insofern sie Essenzen sichtbar werden lässt, in der Lage, uns das zu geben, was wir vergebens im Leben suchen: – “Die Verschiedenheit, die ich im Leben, auf Reisen, vergebens gesucht” (Band 2, Seite 211). – “Wie die Welt der Differenzen auf der Erdoberfläche unter all den verschiedenen Ländern, die unsere Wahrnehmung einander angleicht, nicht existiert, existiert sie erst recht nicht in der Welt der Gesellschaft. Existiert sie im übrigen überhaupt irgendwo? Vinteuils Septett schien diese Frage für mich bejaht zu haben.”

Aber was ist eine höchste absolute Differenz? Kein empirischer Unterschied zwischen  zwei Dingen oder zwei Gegenständen, der immer äusserlich ist. Proust gibt eine erste Annäherung an die Essenz, wenn er sagt, dass sie etwas im Subjekt ist, wie die Anwesenheit einer letzten Qualität im Herzen des Subjektes: eine innere Differnz, – “Die qualitative Differenz in der Weise, wie uns die Welt erscheint, eine Differenz, die, wenn es die Kunst nicht gäbe, das ewige Geheimnis eines jeden bliebe.” (Band 13, Seite 308). In dieser Hinsicht ist Proust Leibnizianer: Die Essenzen sind wahrhafte Monaden, deren jede sich durch den Sehpunkt  (“Sehpunkt” heisst der “point de vue”, “Gesichtspunkt”, “Standpunkt”, Perspektive, Leibniz folgend, in der Hermeneutik des Chladenius, A.d.Ue.) definiert, durch den sie die Welt ausdrückt, wobei jeder Sehpunkt wiederum selbst auf eine letzte Qualität am Grunde der Monade verweist. Wie Leibniz sagt, haben sie weder Fenster noch Türen: Insofern der Sehpunkt die Differenz selbst ist, sind die Sehpunkte auf eine als gleich vorausgesetzte Welt ebenso different wie die fernsten Welten. Daher kann die Freundschaft nur falsche Gemeinsamkeiten errichten, die in Missverständnissen begründet sind, und durchdringt nur fiktive Fenster. Daher verweigert sich die Liebe , luzider als jene, prinzipiell jeder Kommunikation. Unsere einzigen Fenster, unsere einzigen Türen sind gänzlich spirituell: es gibt keine Intersubjektivität als die künstlerische. Nur Kunst gibt uns, was wir vergebens von einem Freund erwarten, was wir vergebens von einer Geliebten erwartet hätten. …

Seite 38:

- “Die Fagen nach der Wirklichkeit der Kunst, nach der Wirklichkeit der Ewigkeit der Seele” (Band 10, Seite 505). Symbolisch wird in dieser Hinsicht der Tod von Bergotte vor der kleinen gelben Mauerecke von Vermeer: – “In einer himmlischen Waage sah er auf der einen Seite sein eigenes Leben, während die andere Schale die kleine so trefflich gemalte Mauerecke enthielt. Er spürte, dass er unvorsichtigerweise das erste für das zweite hingegeben hatte . . . Ein neuer Schlag streckte ihn hin . . . Er war tot. Tot für immer? wer kann es sagen.” (Band 9, Seite 249). …

Seite 40:

Aber wie eigentlich verkörpert sich die Essenz im Kunstwerk? Oder, was auf das gleiche hinauskommt: wie gelingt es dem Künstlersubjekt, die Essenz “mitzuteilen”, die es individuiert und ewig macht? Sie verkörpert sich in Stoffen. Doch diese Stoffe sind biegsam, so wohl geknetet und zerfasert, dass sie gänzlich spirituell werden. Diese Stoffe werden wohl die Farbe sein, wie das Gelb bei Vermeer, der Ton für den Musiker, das Wort für den Schriftsteller. Auf einer tieferen Ebene aber sind sie freie Stoffe, die sich gleichermassen durch Worte, Töne und Farben hindurch ausdrücken. Bei Thomas Hardy zum Beispiel bilden die Steinblöcke, die Geometrie dieser Blöcke, der Parallelismus der Linien eine spiritualisierte Materie, – “die sich mit dem spirituellen Leben verknüpft” (Band 10, Seite 509 f). Das wahre Thema eines Werks ist daher nicht das behandelte Sujet, das sich mit dem vermischt, was die Wörter bezeichnen, sondern die unbewussten Themen, die unwillkürlichen Archetypen, wo die Wörter, aber auch die Farben und die Töne Bedeutung und Leben annehmen. Die Kunst ist eine wahrhafte  Verwandlung der Materie. Die Materie wird in ihr spiritualisiert, die physischen Atmosphären werden entmaterialisiert, damit an ihnen die Essenz sich brechen kann, das heisst die Qualität einer ursprünglichen Welt. Und diese Behandlung des Stoffes ist eins mit dem “Stil”. …

Seite 42:

Die Essenz ist nicht nur besonders, individuell, sondern auch individuierend. Sie selbst Individuiert und bestimmt die Stoffe, in denen sie sich verkörpert, wie die Gegenstände, die sie in die Ringe des Stils einschliesst: so das ins Rötliche gehende Septett und die weisse Sonate von Vinteuil, oder auch die schöne Vielfältigkeit in Wagners Werk. (Band 9, Seite 211). Das rührt daher, dass die Essenz in sich selbst Differenz ist. Doch hat sie nicht nur das Vermögen, zu diversifizieren und sich zu diversifizieren, wenn sie nicht die Macht hat, sich zu wiederholen, mit sich identisch. Was liesse sich mit der Essenz, welche die äusserste Differenz ist, anderes tun, als sie wiederholen, kann sie doch durch nichts ersetzt werden, kann doch nichts an ihre Stelle treten? Daher muss eine grosse Musik immer wieder gespielt werden, ein Gedicht auswendig gelernt und rezitiert werden. Differenz und Wiederholung bilden nur scheinbar einen Gegensatz. Es gibt keinen grossen Künstler, vor dessen Werk wir nicht sagen müssten: -”das gleiche und dennoch anders” (Band 10, Seite 349). …

23.05.11, stefan
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15.05.11, stefan
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09.05.11, stefan
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Atelierhof CH-Lenzburg

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PHOEBUS Rotterdam, NL-Rotterdam

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25.04.11, stefan
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Abschrift aus Gilles Deleuze DIE FALTE, Leibniz und der Barock (Originaltitel LE PLI, Leibniz et le baroque) surkamp taschenbuch wissenschaft 1484 Suhrkamp Verlag Frankfurt ISBN 3-518-29084-3 Seite 61 und folgende:

1. Die Falte: Der Barock erfindet das unendliche Werk oder die unendliche Operation. Das Problem ist nicht, wie eine Falte beenden, sondern wie sie fortsetzen, die Zimmerdecke durchqueren lassen, sie ins Unendliche tragen. Denn die Falte affiziert nicht allein alle Materien, die zu Ausdrucksmaterien werden, gemäß unterschiedlichen Skalen, Geschwindigkeiten und Vektoren (die Berge und das Wasser, die Papiere, die Stoffe, die lebendigen Gewebe, das Gehirn), vielmehr bestimmt sie und lässt die Form erscheinen und macht daraus eine Ausdrucksform, Gestaltung, das genetische Element oder die unendliche Inflexionslinie, die Kurve mit einer einzigen Variablen.

2. Das Innere und das Aeussere: Die unendliche Falte trennt oder verläuft zwischen Materie und Seele, zwischen Fassade und geschlossenem Raum, dem Aeusseren und dem Inneren. Denn die Inflexionslinie ist eine Virtualität, die sich unendlich differenziert: sie aktualisiert sich in der Seele, aber sie realisiert sich in der Materie, beide je nach ihrer Seite. Das ist das Charakteristikum des Barock: ein Aeusseres immer aussen, ein Inneres immer innen. Eine unendliche „Empfänglichkeit“, eine unendliche „Spontaneität“: außen die Fassade des Empfangs und innen die Zimmer der Tätigkeit. Die barocke Architektur setzt bis heute zwei Prinzipien einander beständig gegenüber, ein tragendes und ein verkleidendes Prinzip (bald Walter Gropius, bald Alfred Loos). (Vgl. Cache, L’ammeublement). Die Versöhnung beider wird nicht direkt sein, sondern notwendigerweise harmonisch, Inspiration einer neuen Harmonie: es ist dasselbe Ausgedrückte, die Linie, welches sich in der Erhebung des inneren Gesangs der Seele ausdrückt, aus dem Gedächtnis oder auswendig, und in der äußerlichen Fabrikation der materiellen Partitur, von Fall zu Fall. Das Ausgerückte aber existiert eben nicht außerhalb seiner Ausdrücke.

3. Das Oben und das Unten: Das vollkommene Zusammenstimmen der Spaltung oder die Auflösung der Spannung geschieht durch die Verteilung in zwei Etagen, wobei die beiden Etagen von ein und derselben Welt sind (die Universumslinie). Die Fassade-Materie geht nach unten, während die Zimmer-Seele aufsteigt. Die unendliche Falte verläuft also zwischen zwei Etagen. Indem sie sich differenziert, zerstreut sie sich aber auf beiden Seiten: die Falte differenziert sich in Falten, die sich im Inneren festsetzen und nach außen überborden und sich so als das Oben und Unten artikulieren. Faltungen der Materie unter Bedingungen der Abgeschlossenheit, Faltungen der Partitur und Falten des Gesangs. Der Barock ist die informelle Kunst par excellence: am Boden, dicht über dem Boden, unter der Hand, versteht er die Texturen der Materie (die großen modernen barocken Maler von Paul Klee zu Jean Fautrier, Jean Dubuffet, Suzanne Bettencourt…). Aber das Informel ist keine Negation der Form: es setzt die Form als gefaltet und als existierend nur als „geistige Landschaft“ in der Seele oder im Kopf, in der Höhe; es beinhaltet also auch die immateriellen Falten. Die Materien, das ist der Grund [fond], die gefalteten Formen jedoch sind die Arten und die Weisen. Man geht von den Materien zu den Arten und Weisen, von den Böden und Terrains zu den Wohnungen und Salons, von der Texturologie zur Logologie. Es sind diese beiden Ordnungen, die beiden Etagen Dubuffets, zusammen mit der Entdeckung ihrer Harmonie, welche bis zur Ununterscheidbarkeit gehen muss: ist es eine Textur oder eine Falte der Seele, des Gedankens? (Zu den „zwei Ordnungen“, der materiellen und der immateriellen, vgl. Jean Dubuffet, Prospectus et tous écrits suivants, hg. V. Hubert Damisch, Paris: Gallimard 1967, II, 79 – 81. Man muss den Cataloque des travaux de Jean Dubuffet und darin „Tables paysagée, paysage du mental“ und „Habitas, Closerie Falbala, Salon d’été“ zu Rate ziehen. Das Cabinet logologique ist wirklich so etwas wie das Innere einer Monade.) Die Materie, die ihre Textur offenbart, wird Material, wie die Form, die ihre Falten offenbart, Kraft wird. Es ist das Paar Material – Kraft, das im Barock die Materie und die Form ersetzt (wobei die ursprünglichen Kräfte die der Seele sind).

4. Das Entfalten: Das ist gewiss nicht das Gegenteil der Falte noch deren Auslöschung, sondern die Kontinuierung oder Ausdehnung ihrer Tat, die Bedingung ihrer Manifestation. Sobald die Falte aufhört, vorgestellt zu werden, um „Methode“, Operation, Tat zu werden, wird das Entfalten das Resultat der Tat, welche sich eben auf diese Weise ausdrückt. Hantai beginnt mit dem Vorstellen der Falte, wirbelartig und wimmelnd, aber bald faltet er die Leinwand oder das Papier. Das ist dann wie zwei Pole, derjenige der „Übungen“ und derjenige der „Tafeln“. Bald ist die Oberfläche hier und da unregelmäßig gefaltet, und es sind die äußeren Ränder der offenen Falte, die bemalt werden, so dass das Auseinanderziehen, das Ausbreiten, die Entfaltung, weiße und bemalte Stellen alternieren lässt und die einen durch die andern moduliert. Bald ist es das Feste, das seine innerlichen Gesichte auf eine plane, regelmäßige an den Kanten gefaltete Oberfläche projiziert: diesmal hat die Falte einen Stützpunkt, ist sie an jeder Kreuzung zugeschnürt und verschlossen und entfaltet sich, um das weiße Innere zirkulieren zu lassen. (Über Simon Hantai und die Methode der Faltung vgl. Marcelin Pleynet, Identité de la lumière, in: Hantai [Katalog] ARCA, Marseille: Editions Sgraffite 1983; außerdem Dominique Fourcade, Un coup de pinceau c’est la pensée, in: Hantai [Katalog], Musée National d’Art Moderne, Paris 1976; Yves Michaud, Métaphysique de Hatani, in: Simon Hatani [Katalog], Biennale Venedig 1982; Geneviève Bonnefoi, Hatani (Artistes d’aujourd’hui 2), Centre d’art contemporain de l’Abbaye de Beaulieu 1973.) Bald die Farbe in den Faltungen der Materie, bald das Licht in den Falten einer immateriellen Oberfläche schwingen lassen. Was macht aber gleichwohl die barocke Linie lediglich eine Möglichkeit von Hatani? Dass er immerzu eine andere Möglichkeit annimmt, welche die Orientlinie ist. Das Gemalte und das Nicht-Gemalte teilen sich nicht auf als Form und Grund [fond], sondern als der volle und der leere Raum im wechselseitigen Werden. So lässt Hatani das Zentrum der Falte leer und bemalt nur die Seiten (Orientlinie); es kommt aber auch vor, dass er in derselben Region aufeinanderfolgende Zusammenfaltungen vornimmt, die keinen leeren Raum mehr bestehen lassen (volle Barocklinie). Vielleicht ist es dem Barock zutiefst eigen, sich dem Orient entgegenzusetzen. In seiner binären Arithmetik ist es bereits das Abenteuer von Leibnitz: in Eins und Null erkennt er den vollen und den leeren Raum der chinesischen Art und Weise, der barocke Leibniz aber glaubt nicht mehr an den leeren Raum, der ihm immer durch eine gefaltete Materie erfüllt scheint, so dass die binäre Arithmetik die Falte übereinanderlagert, welche das Dezimalsystem und die Natur selbst im scheinbar Leeren verbirgt. Die Falten sind im Barock und bei Leibniz immer voll. (Leibniz dachte mit seiner binären Arithmetik in den Zahlenreihen eine Periodizität zu entdecken, welche die Natur vielleicht „in ihren Faltungen“ verbarg wie im Fall der ersten Zahlen. Vgl. Neue Abhandlungen IV, Kap. 17,ò 13 [PS III/2, 575].)

5. Die Texturen: Die Physik von Leibniz enthält zwei Hauptkapitel, eines über die abgeleitet genannten aktiven Kräfte, die auf die Materie bezogen sind, und das andere über die passiven Kräfte oder den Widerstand des Materials, die Textur. (Über Texturen der Brief an Des Bosses vom August 1715 [GP II, 502-505]. Die Physik von Leibniz bezeugt ein andauerndes Interesse für die Probleme des Widerstands der Materien.) Vielleicht erscheint die Textur am besten vor dem Brechen oder Zerreißen, wenn das Auseinanderziehen nicht mehr der Falte entgegengesetzt ist, sondern sie im Reinzustand ausdrückt, nach einer von Bernard Cache aufgewiesenen barocken Figur (Hysteresis eher noch als Auseinanderziehen). Auch hier verdrängt die Falte den Spalt und das Loch, gehört nicht derselben pikturalen Sichtweise an. Als allgemeine Regel gilt, dass die Art und Weise, mit der eine Materie sich faltet, ihre Textur konstituiert: sie definiert weniger durch ihre heterogenen und real unterschiedlichen Teile als durch die Art und Weise, mit der diese aufgrund der besonderen Falten untrennbar werden.

Daher der Begriff des Manierismus in seinem operativen Verhältnis zum Barock. Leibniz sprach es aus, als er „das Papier oder die Tunika“ anführte. Alles faltet sich auf seine Art und Weise, die Schnur und der Stab, aber auch die Farben, welche sich nach der Konkavität und der Konvexität des Lichtstrahls aufteilen, und die Töne, die desto höher sind, „je kürzer und gespannter die schwingenden Teile sind“. So hängt die Textur nicht von den Teilen selbst ab, sondern von den Schichten, die die „Kohäsion“ bestimmen: der neue Status des Gegenstands, das Objektil, ist untrennbar von den verschiedenen sich erweiternden Schichten, als ebenso viele Gelegenheiten zu Umwegen und Faltungen. In bezug auf die Falten, deren sie fähig ist, wird die Materie Ausdrucksmaterie. In dieser Hinsicht muss die Materiefalte oder Textur auf mehrere Faktoren bezogen werden. Zunächst variiert das Licht selbst, das Helldunkel, die Art, wie die Falte das Licht einfängt, je nach der Stunde und der Beleuchtung (die zeitgenössische Untersuchungen von Tromeur, von Nicole Grenot). Aber auch die Tiefe wie die Falte selbst eine deckungsgleiche und „dünne Tiefe“ bestimmt, definiert die Papierfalte auf unserer Skala ein Minimum an Tiefe, wie man es im trompe l’oeil des Barock sieht, wenn ein Brief gehalten wird, so dass die Darstellung einer geknickten Karte eine Tiefe diesseits der Mauer andeutet. Gleichfalls die weiche und deckende Tiefe des Stoffs, der unaufhörlich die Malerei inspirierte und den Helga Heinzen heute zu neuer Geltung bringt, wenn die Darstellung des gestreiften und gefälteten Stoffs das ganze Gemälde bedeckt und der Körper abwesend wird, im Fallen und im Erheben der Wogen und der Sonnen, die einer Linie folgen, die diesmal vom Islam kommt. Aber auch das Theater der Materien, sobald eine Materie erfasst ist, verhärtet in ihrem Auseinanderziehen oder ihrer Hysteresis, kann geeignet sein, in sich die Falten einer anderen Materie auszudrücken, wie in den Holzskulpturen von Christian Renonciat, wo die libanesische Zeder zur Plastikplane wird oder die Parana-Kiefer zu „Baumwolle und Federn“. Zuletzt die Art, mit der alle diese Texturen der Materie auf einen höheren Punkt hinstreben, einen geistigen Punkt, der die Form umhüllt, der sie eingehüllt hält und der allein das Geheimnis der materialen Falten unten enthält. Von woher müssten diese sich ergeben, da sie sich nicht durch die zusammengesetzten Teile explizieren, da das „Wimmeln“, das nicht endende Verschieben des Umrisses, von der Projektion von irgend etwas Geistigem in die Materie kommt, Phantasmagorie der Ordnung des Denkens, wie Dubuffet sagt? Auf andere Art und Weise findet der Bildhauer Jeanclos einen gleichwohl analogen Weg, wenn er von den physischen Blättern des Kohls, diese unendlich gefaltet, geschnürt, gezwängt, oder von den unendlich auseinandergezogenen Laken zu metaphysischen Erbsen gelangt, zu spirituell Schlafenden oder Monadenköpfen, die dem Ausdruck „Schlaffalten“ vollen Sinn verleihen. (Georges Jeanclos, Sculpture et Dessin Orléans: Maison de la Culture.) Aktiv oder passiv verweisen die abgeleiteten Kräfte der Materie auf die ursprünglichen Kräfte, welche die der Seele sind. Immerzu zwei Etagen und ihre Harmonie, ihre Harmonisierung.

6. Das Paradigma: Die Suche nach einem Modell der Falte geht wohl über die Wahl einer Materie. Ist es die Papierfalte, wie es der Orient nahe legt, oder die Stoffalte wie es der Okzident zu beherrschen scheint? Das Problem ist jedoch, dass die materialen Komponenten der Falte (die Textur) nicht das formale Element oder die Ausdrucksform verdunkeln dürfen. In dieser Hinsicht befriedigt die griechische Falte nicht, obwohl sie mit Recht in den höchsten Bereichen der politischen Macht und des Denkvermögens gelten will: das platonische Paradigma des Webens als Verflechtung verharrt bei den Texturen und setzt nicht die formalen Elemente der Falte frei. Was die griechische Falte ist, setzt ein gemeinsames Maß der beiden sich mischenden Terme voraus, wie es die Politheia und der Timaios zeigen, und tätigt also Einkreisungen, die der Wiederholung oder der Proportion entsprechen. Darum falten sich bei Platon die Formen, ohne dass das formale Element der Falte erreicht würde. Dieses nämlich kann nur mit dem Unendlichen erscheinen, im Unmessbaren und der Maßlosigkeit, wenn die variable Krümmung den Kreis entthronisiert hat. (Über Anwesenheit und Abwesenheit des „gemeinen Maßes“ vgl. Über die Freiheit [Hauptschriften II, 502].) Das ist mit der barocken Falte der Fall, mit dem ihr entsprechenden Status des Denkvermögens und der politischen Macht. Das Paradigma wird „manieristisch“ und führt zu einer formalen Deduktion der Falte. In diesem Sinn bezeugen der Geschmack des Psychiaters Clérambault für die aus dem Islam stammenden Falten und seine außergewöhnlichen Photographien verschleierter Frauen, wirkliche Tafelbilder ähnlich denen von Helga Henzen heute, was auch immer man gesagt hat, keine einfache private Perversion. Nicht mehr als Mallarmés Schal und sein Verlangen, eine Modezeitschrift herauszugeben. Wenn es bei Clérambault etwas Delirierendes gibt, dann im Verfolg der Falten, die er in den halluzinatorischen kleinen Perzeptionen der Äthersüchtigen findet. Es gehört daher zur formalen Deduktion, der verschiedensten Materien und Bereiche übereinanderzuschieben und darin zu unterscheiden: die einfachen und die zusammengesetzten Falten; die Säume (wobei die Knoten und Nähte von der Falte abhängig sind); die Drapierungen mit Stützpunkten. (Vgl. Yolande Papetti, Françoise Valier Bernard de Fréminville und Serge Tisseron, Les passions des étoffes chez un neuropsychiatre. G. G. de Clérambault, Paris: Solin 1980, mit Photographien und zwei Vorträgen über die Drapierung [49-57]. Man versucht zu glauben, dass diese Photographien von überreichen Falten auf von Clérambault selbst ausgewählte Stellungen zurückgehen. Die in der Kolonialzeit gängigen Postkarten zeigen allerdings ebenfalls solche Faltensysteme, die die ganze Kleidung der marokkanischen Frauen erfassen, das Gesicht eingeschlossen: ein islamischer Barock.) Erst dann kommen die materialen Texturen und schließlich die Agglomerationen oder Konglomerationen (Filz, durch Walken und nicht durch Weben). Wir werden sehen, bis zu welchem Punkt diese Deduktion eigentlich barock oder Leibnizisch ist.

18.04.11, stefan
category: general

Golf von Mexiko 2010

18.04.11, stefan
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Fukushima Flower 2011

Libya Flower 2011

13.04.11, stefan
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12.04.11, stefan
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09.04.11, stefan
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04.04.11, stefan
category: general

Diese Einsiedelei bei Auenstein (AG) war bis etwa 2006 von einem etwa 80-jährigen Mann bewohnt. Etwa 2 Jahre nach seinem Tod wurde das Grashaus weggeräumt.

KINO

In meiner Vorstellung sehe ich eine riesige Bildermaschine. Ein im Licht mit hoher Geschwindigkeit rotierendes, transparentes Möbius-Band wirft Motive aus unserem Innern und Phänomene von aussen als komplexe Bildwelt auf seine eigene „einseitige Fläche“. Was wir sehen ist eine durch den Filter unserer Erinnerung, unserer Erfahrung und unserer Empfindung projizierte, prekäre Konstruktion, die wir permanent aus Teilen unserer sinnlichen Wahrnehmung zusammensetzen – die Welt als Erscheinung. Wir sehen riesige Städte über den Globus verteilt, wir sehen Kriege und Terror, wir sehen Kathedralen, Museen, Sportstadien und Warenhäuser. Und wir sehen Informationen als Bild und Text über Bildschirme flimmern. Alles gerät uns zum riesigen Spiegel dessen Ränder wir nicht sehen können. Als Künstlerinnen und Künstler sind wir in höchstem Mass mit dieser Spiegelung konfrontiert. Wir sind motiviert, und unser Interesse zwingt uns dazu, noch näher an die Dinge heran zu gehen. Mit unserer Stirn berühren wir schliesslich die kalte Spiegelfläche und versuchen aus dieser schwierigen Situation heraus, Visuelles herzustellen. Bilder machen als kritisches Unterfangen, um im künstlerischen Zugriff Abstand zu gewinnen und um enttäuscht festzustellen, dass hinter dem Spiegel und hinter dem Bild nichts anderes lauert als das immer noch gleiche, schillernde Spiel des Lichts auf den blanken, opaken Oberflächen der Dinge. Die Welt als ein grosses Lichtspieltheater. Und jeder von uns ist Operateur und Zuseher zugleich. <Stefan Gritsch, in STILLNOW, ISBN 978-90-815041-2-9>


04.04.11, stefan
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Abschrift aus WALTER BENJAMIN. DENKBILDER. Suhrkamp Taschenbuch 2315. ISBN 3-518-38815-0.

AUSGRABEN UND ERINNERN

Die Sprache hat es unmissverständlich bedeutet, dass das Gedächtnis nicht ein Instrument für die Erkundung des Vergangenen ist, vielmehr das Medium. Es ist das Medium des Erlebten wie das Erdreich das Medium ist, in dem die alten Städte verschüttet liegen. Wer sich der eigenen verschütteten Vergangenheit zu nähern trachtet, muss sich verhalten wie ein Mann, der gräbt. Vor allem darf er sich nicht scheuen, immer wieder auf einen und denselben Sachverhalt zurückzukommen – ihn auszustreuen wie man Erde ausstreut, ihn umzuwühlen, wie man Erdreich umwühlt. Denn „Sachverhalte“ sind nicht mehr als Schichten, die erst der sorgsamsten Durchforschung das ausliefern, um dessentwillen sich die Grabung lohnt. Die Bilder nämlich, welche, losgebrochen aus allen früheren Zusammenhängen, als Kostbarkeiten in den nüchternen Gemächern unserer späten Einsicht – wie Torsi in der Galerie des Sammlers – stehen. Und gewiss ist’s nützlich, bei Grabungen nach Plänen vorzugehen. Doch ebenso ist unerlässlich der behutsame, tastende Spatenstich ins dunkle Erdreich. Und der betrügt sich selber um das Beste, der nur das Inventar der Funde macht und nicht im heutigen Boden Ort und Stelle bezeichnen kann, an denen er das Alte aufbewahrt. So müssen wahrhafte Erinnerungen viel weniger berichtend verfahren als genau den Ort bezeichnen, an dem der Forscher ihrer habhaft wurde. Im strengsten Sinn episch und rhapsodisch muss daher wirkliche Erinnerung ein Bild zugleich von dem der sich erinnert geben, wie ein guter archäologischer Bericht nicht nur die Schichten angeben muss, aus denen seine Fundobjekte stammen, sondern jene andern vor allem, welche zu durchstossen waren.

21.03.11, stefan
category: general

05.03.11, stefan
category: general

Recycling & Copyright, ein Forschungsprojekt von Stefan Gritsch

Material und Erinnerung

(eine Reflexion)

Zeit und Ort «Mein Ansatz ist ein poetischer und nicht ein ökonomischer. Die Wiederverwendung von Material, Gegenständen, Werkzeugen usw. erscheint heute im Hinblick auf unsere Ressourcen als etwas Selbstver­ständliches und Unabdingbares. Wenn ich meine Acrylfarbvolumina nach einer abgebauten Ausstellung neu mit Farbe bearbeite oder zerteile und zu neuen Farbkonglomeraten zusammensetze, dann sehe ich das als eine Geste der Wiederholung, als Reverenz an einen Ort, als Beschäftigung mit dem Phänomen Zeit, als das Aufschieben und als eine Negation des gültigen Bildes. Es geht um eine «Berührung» (um einen «Kontakt»), um eine «Retusche» und um eine «Entwicklung» in die Tiefe. Ich versuche, visuell zu reagieren. Ich suche Nähe und Unschärfe.» SG

FORSCHUNG

Als Forschung bezeichne ich die Suche nach etwas, das ich noch nicht kenne, noch nicht in den Händen habe, die Suche nach etwas, von dem ich als Künstler vor allem nicht weiss wie es aussieht. Dieses unbekannte, verführerische Objekt, das noch im Innern verborgen oder im Entfernten liegt, sich vielleicht als Vision ankündigt, lässt mich nicht mehr los, ich bin mittendrin in einem Ablauf, der mich wieder einmal mehr an den Wendepunkt, in die schöne Krise führt, wo ich mir so lange etwas vormachen kann, bis ich meinen starren, fokussierenden Blick eintausche gegen das unruhige, unsichere Schweifen auf Ab- und Seitenwegen, wo sich alles zerschlägt, und wo das Visuelle als schöne Entstellung der Vision sichtbar wird. Endlich Enttäuschung. Plötzlich diese Sicht. (Stefan Gritsch, aus dem Text ‚ Ein Schnitt in die Farbhaut oder das aufgeschobene Bild)

Bisherige Aktivitäten:

- R&C ist ein Forschungsprojekt im Bereich der Materialforschung (Materialien, Werkzeuge, Werkstätten).

- Hans-Peter Kistler und Stefan Gritsch realisieren 2000 an der HGK Luzern den Raum für Farben (, Anstrichstoffe und Trägermaterialien) als eine Werkstatt und als ein Forschungslabor.


- Die Materialforschung an der HSLU wurde 2003/04 durch die Initiative von Hans-Peter Kistler , Max Wechsler und durch Stefan Gritsch unter dem Titel „Labor Material Licht und Wahrnehmung“ initiiert; dies im Hinblick auf eine noch stärkere Nutzung und Förderung der schon bestehenden Werkstätten der HSLU D&K, welche unbestritten zur hohen Qualität der verschiedenen Studiengänge an der HSLU D&k beitragen.

- 2002/03 wurde die medienübergreifende Plattform OBERFLAECHE+ für Kunststudentinnen und Kunststudenten der Bildmedien eingerichtet und als Ort der Recherche bis 2007/08 von Stefan Gritsch geleitet.

- Als erste Resultate zeigte diese Initiative 2 Publikationen: Stefan Gritsch und Max Wechsler, ACRYLFARBVOLUMINA, Acrylfarbe als plastisches Material, erschienen als Publikation der HGK Luzern, und Stefan Gritsch DAYLIGHT, Editizioni Periferia Luzern mit Texten von Stefan Gritsch und Sibylle Omlin, erschienen anlässlich der Ausstellung Stefan Gritsch, Malerei und Zeichnung im Museum Bellpark Kriens 2004/05.

- 2008 erschien anlässlich der Ausstellung Stefan Gritsch. MIRROR in der Graphischen Sammlung ETH Zürich die Publikation MIRROR, Editioni Periferia und HSLU D&K mit einem Text von Michael Matile.

- 2010 erschien anlässlich der Ausstellung IN BETWEEN im AkuH Hengelo-NL die Publikation STILLNOW mit bisher unveröffentlichten Texten von Stefan Gritsch.

- 2010 stellt Stefan Gritsch der Textildesignerin Nicole Marsch Schnittbilder (Acrylfarbtranchen) zur Verfügung. Nicole Marsch kreiert einen Stoff, welcher später von der Bekleidungsdesignerin Caro Hill für die Kollektion „Gezwitscher“ verwendet wird. Stefan Gritsch verzichtet auf ein Copyright.

- Zur Zeit schreibt Sandra Sykora (Universität Zürich, Kunsthistorisches Institut) an ihrem Buch über das Recht in der Kunst, in welchem sie sich in ihrer Recherche an zentraler Stelle auf das Werk von Stefan Gritsch bezieht. Am 13.05.2011 hält Stefan Gritsch am Kunsthistorischen Institut der Universität Zürich im Zusammenhang zur praxisorientierten Uebung ‚Der Künstler und das Recht’ ein Gastreferat unter dem Titel DAS WERK REZYKLIERT SICH ALS WERKZEUG (eine Werkentwicklung).

Perspektiven:

- 2011 wird sich Stefan Gritsch wieder vermehrt auf den Kern seiner künstlerischen Forschungsarbeit konzentrieren. MATERIAL / MEDIUM (M/M) heisst in diesem Zusammenhang das Forschungsfeld; der Schrägstrich zwischen den beiden „M“ bezeichnet die Geste (Aktion, Handlung) der Künstlerin oder des Künstlers, die sie oder er meistens mit spezifischen Werkzeugen ausführt. Den Materialien, den Werkzeugen und den spezifischen Zugriffen gilt die Aufmerksamkeit von Stefan Gritsch. Hier geht es inhaltlich vor allem um die nun schon seit einiger Zeit festgestellte Möglichkeit der Vertauschbarkeit von Artefakt und Werkzeug (siehe Publikation MIRROR); was sich als Möglichkeit zufällig ergeben hatte, soll nun explizit in den Medien Zeichnung, Malerei und Druck ausgebaut und reflektiert werden. Immer wieder ging es in der künstlerischen Arbeit von Stefan Gritsch um die Wiederholung der immer wieder gleichen Zugriffe auf das Material Farbe (giessen, streichen, sägen, neu zusammensetzen, rezyclieren usw) und um die zyklische Wiederkehr (Wiederholung) von Bildern einzelner Themenkreise (Pressebilder, welche die Konfliktzonen im nahen und mittleren Osten oder in Zentralafrika betreffen). Ereignisse in der (Welt- und Kunst-) Geschichte wiederholen sich in Zeitfalten. Das Ornamentale erscheint im Werk von Stefan Gritsch als visuelle Wiederholung oder Spiegelung von mit Bedeutung geladener Formen; dabei geht es um die künstlerische Bearbeitung der immer wieder gleichen Konflikte in der globalisierten Gesellschaft mit den Mitteln der Camouflage. Diese Recherche steht unter dem Arbeitstitel ZEITFALTEN und ORNAMENT.

- Um diese Vorhaben umzusetzen, ist eine enge Zusammenarbeit mit den Werkstätten der Schule notwendig (Lasermaschine und Textildruck in der Textilabteilung).

- Die Verbindung zwischen Forschung und Lehre ist selbstverständlicher Teil der Arbeit von Stefan Gritsch als Dozent und Forscher an der HSLU D&K.

- Die Zusammenarbeit mit Designerinnen, Designern oder Architekten wird insofern wahrgenommen als dass sie die künstlerischen Interessen von Stefan Gritsch weiter trägt. Im 1. Semester des Studienjahres 2010/11 hat Stefan Gritsch die Dozierenden der Designabteilung der HSLU D&K Doris Kurzmeyer und Frédéric Dedelley in sein Studio L206 nach Littau eingeladen, um eine mögliche Zusammenarbeit auf der Ebene der Lehre an zu streben.

- Weiterhin wird Stefan Gritsch seine Verbindungen zu privaten und öffentlichen Institutionen (Museen und Galerien) pflegen. In diesem Zusammenhang sollte auch eine Publikation zum aktuellen Stand der Künstlerischen Arbeit von Stefan Gritsch angestrebt werden.

- Im Zusammenhang mit dem SNSF (Swiss National Science Foundation / International Short Visits) soll eine Zusammenarbeit mit der Hochschule Karlsruhe (mit Beat Wyss) und mit Prof. Ingo Meller (Hochschule für Grafik und Buchkunst) angestrebt werden.

(Die im vergangenen Jahr unternommenen Anstrengungen im Bereich der Drittmittelbeschaffung (Eingaben bei Stiftungen und Versuche, mit Designfirmen in Geschäftsverbindung zu treten) haben nicht den gewünschten Erfolg gebracht. Dies aus den folgenden, bekannten Gründen: Die Stiftungen fördern zwar Künstler und ihre Projekte, nicht aber Kunstforschungsprojekte der Hochschulen. Die Projekte im Bereich Design erschöpfen sich aus der Position des Künstlers Stefan Gritsch heraus in der Freigabe von Bildvorlagen an interessierte Designer. Mit der Abgabe des Copyrights ist eine Zusammenarbeit zwischen Künstler und Designern von Produktionsfirmen abgeschlossen.)

Stefan Gritsch, Lenzburg/Luzern, im März 2011

05.03.11, stefan
category: general

28.02.11, stefan
category: general

Hier sehen sie einige der in letzter Zeit entstandenen Acrylfarbvolumina. Diese wurden aus älteren Acryfarblobjekten neu zusammen gesetzt.

12.01.11, stefan
category: Material, artwork, general, skin, technics

07.01.11, stefan
category: general

Griechische Legende

Die älteste Formulierung ist von Plutarch überliefert:

“Das Schiff, auf dem Theseus mit den Jünglingen losgesegelt und auch sicher zurückgekehrt ist, eine Galeere mit 30 Rudern, wurde von den Athenern bis zur Zeit desDemetrios Phaleros aufbewahrt. Von Zeit zu Zeit entfernten sie daraus alte Planken und ersetzten sie durch neue intakte. Das Schiff wurde daher für die Philosophen zu einer ständigen Veranschaulichung zur Streitfrage der Weiterentwicklung; denn die einen behaupteten, das Boot sei nach wie vor dasselbe geblieben, die anderen hingegen, es sei nicht mehr dasselbe.”

Das durch dieses Gedankenexperiment aufgeworfene philosophische Problem ist ein verbreitetes Beispiel in der Philosophiedidaktik und wird auch in der zeitgenössischenOntologie vielfach debattiert, weil sich eine plausible Theorie darüber, wann ein Objekt als ein und dasselbe gelten und als solches auch bei Veränderungen in der Zeit fortdauern kann, daran bewähren muss. Ted Sider beispielsweise verteidigt, dass ein ontologischer Vierdimensionalismus dieses Problem elegant löst. Vierdimensionalisten vertreten, dass Objekte ebenso, wie sie Abschnitte im Raum einnehmen, dies auch für die insofern exakt gleich zu behandelnden Zeitabschnitte tun (also “Zeitscheiben” besitzen oder als “Zeitwürmer” vorstellbar sind).

Problem der doppelten Identität

Ein weiteres philosophisches Problem ist das der doppelten Identität, das sich an einem einfachen Beispiel erläutern lässt:

Theseus besitzt ein etwas älteres, aber seetaugliches Schiff. Er beschließt eines Tages, es in die Werft zu bringen und dort erneuern zu lassen. Er bittet den Werfteigner, die 1000 Planken gegen neue auszutauschen. Der Eigner der Werft besitzt mehrere Docks und findet es schade, die alten Planken von Theseus’ Schiff einfach wegzuwerfen, also beschließt er, in Dock A das Schiff des Theseus nach und nach auseinander bauen und ersetzen zu lassen und die Planken in Dock B zu bringen, wo sie in der ursprünglichen Reihenfolge und an ihrer ursprünglichen Position wieder zu einem Schiff zusammen gesetzt werden. Was gelingt.

Nun existieren zwei Schiffe: das Schiff, das Theuseus verwendet und dessen 1000 Planken ersetzt wurden, und das Schiff des Werfteigners, das aus allen Originalteilen von Theseus’ ursprünglichem Schiffs zusammengesetzt wurde. Die Frage, die dieses Szenario aufwirft, ist, welches der beiden Schiffe nun Theseus’ Schiff ist.

Zitat aus Gilles Deleuze, Die Falte, Leibniz und der Barock, Suhrkamp Taschenbuch Wissenschaft 1484, S. 201: ‘Man hat festgestellt, dass der Barock oft die Malerei eingeengt und sie in Tafelbilder gezwängt hat. Das geschah aber vor allem, weil die Malerei aus ihrem Rahmen heraustritt und sich als Skulptur des polychromen Marmors realisiert; die Bildhauerei steigert und realisiert sich in der Architektur; die Architektur wiederum findet in der Fassade einen Rahmen, dieser Rahmen aber löst sich selbst vom Innern und setzt sich mit dem Umfeld solchermassen ins Verhältnis, dass die Architektur im Städtebau realisiert. An beiden Enden der Kette ist der Maler Stadtplaner geworden, und es zeigt sich eine wunderbare Entwicklung der Kontinuität der Künste in die breite oder die Extension: eine Ineinanderfügung der Rahmen, bei der jeder von einer Materie überholt wird, die quer hindurch geht. Diese extensive Einheit der Künste bildet ein Universaltheater, das Luft und Erde aufweist, und sogar Feuer und Wasser. Die Skulpturen sind darin handelnde Personen, und die Stadt ist das Bühnenbild, wobei die Zuschauer selbst gemalte Bilder oder Skulpturen sind. Die Kunst wird ganz und gar socius, öffentlicher, von barocken Tänzern bevölkerter  sozialer Raum. Vielleicht kann man im modernen Informel diese Vorliebe wiederfinden, sich “zwischen” zwei Künsten einzurichten, zwischen Malerei und Bildhauerei, zwischen Bildhauerei und Architektur, um damit eine Einheit der Künste als “Performance” zu erreichen und den Zuschauer in diese Performance einzubeziehen. (Die flachen Skulpturen von Carl Andre, wie auch die Konzeption der “Räume”, im Sinne von Räumen einer Wohnung, geben nicht nur ein gutes Beispiel für den Uebergang Malerei – Bildhauerei, Bildhauerei – Architektur, sondern auch für die extensive Einheit der sogenannten minimal art, bei der Form nicht mehr ein Volumen begrenzt, sondern einen in allen Richtungen unbegrenzten Raum umfasst. Man mag vor der typisch Leibnizschen Situation erstaunen, die Tony Smith heraufbeschwört: ein geschlossenes Auto fährt auf einer Autobahn, die nur seine Scheinwerfer erleuchten und deren Asphalt über die Windschutzscheibe rast. Das ist eine Monade mit ihrem privilegierten Gebiet. Gegen den Einwand, es sei hier nichts absolut abgeschlossen, weil der Asphalt draussen sei, lässt sich erinnern, dass der Neo-Leibnizianismus eher nach einem absoluten Erfassen als einem Abschliessen verlangt; selbst hier aber kann die Abschliessung als vollkommen gelten, insofern der Asphalt draussen nichts mit dem zu tun hat, der über die Scheibe wegzieht. Man müsste die explizit barocken Themen in der minimal art und bereits im Konstruktivismus einmal genau untersuchen, vgl. die schöne Analyse des Barock von Wladislaw Streminski und K. Kobro, “La composition de l’espace. Les calculs du rythme spatio-temporel”, in : L’espace uniste. Ecrits du constructivisme plonais, Lausanne: L’âge d’homme 1977, und Artstudio Nr. 6, Herbst 1987: darin die Afsätze von Jean-Pierre Criqui über Tony Smith , von Michel Assenmaker über Carl Andre, von Germano Celant über Donald Judd, von Marjorie Welish über Sol LeWitt, und von Claude Gintz über Robert Morris, worin eine Gegenüberstellung mit dem Barock vorgenommen wird, man beachte besonders die Samtfalten von Morris, 121, 131. Auch eine spezielle Utersuchung der “Performances” von Christo müsste unternommen werden: die gigantischen Einhüllungen und die Falten dieser Hüllen.) Falten – Entfalten, Umhüllen – Entwickeln sind die Konstanten dieser Operation, heute wie im Barock. Dieses Theater der Künste ist die lebendige Maschine des “Neuen Systems”, wie es Leibniz beschreibt, eine unendliche Maschine, deren Teile ebenfalls Maschinen sind, “unterschiedlich gefaltet und mehr oder weniger entwickelt”.’

10.12.10, stefan
category: Material, artwork, general, skin

09.12.10, stefan
category: general

Stefan Gritsch, Acrylfarbe (recykliertes Material), 2010, Durchmesser: 20cm / Höhe: 19.5cm

16.11.10, stefan
category: Material, Theorie, artwork, general, sculpture, still life


Zitat aus Georges Didi-Huberman, Das Nachleben der Bilder, suhrkamp, S. 174 – 176, S. 182 – 183, S. 190 – 191 und S. 193 – 194: Erinnern wir uns, wie bemerkenswert Gilles Deleuze diese Dynamik erhellt hat. Der Körper? “Nichts als Kraftquanten in einem wechselseitigen ‘Spannungsverhältnis’.” Das Objekt? Das Objekt? “Das Objekt selbst ist Kraft, ist Ausdruck einer Kraft …, das Auftreten einer Kraft.” Die Geschichte? “Die Geschichte eines Dings besteht ganz allgemein in der Aufeinanderfolge der Kräfte, die sich seiner bemächtigen, sowie im gleichzeitigen Vorhandensein der Kräfte, die um seine Ueberwältigung ringen. Ein und dasselbe Ding … ändert jeweils entsprechend den Kräften, von denen es angeeignet wird, seinen Sinn.” (G. Deleuze 1962, Nietzsche und die Philosophie, München: Rogner und Bernhard, 1976, S. 7 – 8, 10 – 11 und 45) Hier sei sogleich angemerkt, dass Warburg sich den Status der im wechselvollen Gang des Nachlebens und der Wiedergeburten immer wieder angeeigneten antiken “Formeln” nicht anders vorgestellt hat.

Die hier gemeinte “Kraft” hat durchaus Bezüge zu den – schon von Burckhardt verwendeten – historischen Konzepten: Kraft, Macht, Potenz. Eine weitere Präzisierung erfährt der Begriff bei Nietzsche (wie auch bald schon bei Warburg) durch den Gedanken einer doppelten Zeitlichkeit, einer Konjunktion zweier heterogener Rhythmen. Erstens ist die Kraft eines Nachlebens fähig: Das betrifft die Erinnerung. “Vielleicht kann der Mensch nichts vergessen”, schreibt Nietzsche zur Zeit des zweiten Stücks der Unzeitgemässen Betrachtungen. “Alle Formen, die einmal vom Gehirn und Nervensystem erzeugt sind, wiederholt es von jetzt ab so oft. Eine gleiche Nerventhätigkeit erzeugt das gleiche Bild wieder.” (F. Nietzsche 1869 – 1874, S. 447, Fragment 19.82) Mit kritischem Blick auf Bakunin, “der im Hass gegen die Gegenwart, die Geschichte und die Vergangenheit vernichten will”, schreibt er weiter: “Nun wäre um alle Vergangenheit zu tilgen freilich nöthig, die Menschen zu vertilgen.” (Ebd., S. 580, Fragment 26.14) Das also ist die vitale – tiefe, unbewusste – Macht der Mnemosyne: Alle Tradition wäre jene fast unbewusste der ererbten Charactere: die lebenden Menschen wären, in ihren Handlungen, Beweise, was im Grunde durch sie tradiert werde; mit Fleisch und Blut liefe die Geschichte herum, nicht als vergilbtes Document und als papiernes Gedächtnis. (Ebd., S. 702, Fragment 29.172) Nietzsche vergisst hier vielleicht, was Warburg sein Leben lang, vom Florentiner Archivio bis zur Hamburger Bibliothek, erfahren hat: Die “vergilbten Dokumente” sind ihrerseits das Fleisch des Gedächtnisses, und die Tinte, mit der sie bedeckt sind, ist das geronnene Blut der Geschichte. Entscheidend ist jedoch der Gedanke, der in diesen Zeilen zum Ausdruck kommt, der Gedanke eines als Material verstandenen Gedächtnisses, als Material der Dinge. Im Anschluss an die Frage nach dem Unbewussten – also ob es ein “es denkt” gibt – formuliert Nietzsche schliesslich diese bemerkenswerte Hypothese: “Wenn Gedächtnis und Empfindung das Material der Dinge wären!” (Ebd., S. 471, Fragment 19.165)

Aber welche Art von Material? Darauf gibt es nur eine Antwort: ein plastisches Material. Also ein Material, das zu jeglicher Metamorphose fähig ist. Das Nachleben lehrt uns Unzerstörbarkeit der Spuren. Die Metamorphose lehrt uns ihre relative Auslöschung, ihre unablässige Umwandlung. Nach der Seite des Vergessens, wenn man so will (aber sofern man es als ein für das Gedächtnis selbst lebenswichtiges Vergessen denkt). Die Plastizität taucht in Nietzsches Text genau an der Stelle auf, an der es notwendig wird, die beiden Regime des Werdens gemeinsam zu denken: das Regime des Schlags, wie man sagen könnte, oder der Wirkung (mitten im Beben, unter seiner Einwirkung, vergessen wir alles) und das Regime des Rückschlags oder der Nachwirkung (während des Nachlebens, in der Nachwirkung, erinnern wir uns, und sei es auch, ohne es zu wissen). Der Mensch vergisst nichts von seinem “Urschmerz”. Aber er wandelt das alles um. Der dieser Prägung und diesem Umwandlungsvermögen gemeinsame Agent ist nichts anderes als die Plastizität – diese maetrielle Kraft – des Werdens.

(…)

Und tatsächlich geht es hier immer um “Kräfte” und dialektische Spannungen. Müsste man, um genauer  zu sein, die geschichtliche Zeit nicht eher als ein halbplastisches Material bezeichnen? Plastizität allein vermag nicht zu erklären, was sie aufnimmt und absorbiert, was auf sie einwirkt und sie verwandelt. Man muss die Plastizität und die Naht (die Art, wie der Boden vernarbt ist) vor dem Horizont des Bruchs denken (der Art, wie der Boden nachgegeben hat, gebrochen ist, nicht plastisch genug war). Der Historiker wandelt an Abgründen, weil Beben stattgefunden haben, die dort zu einem Bruch der historischen Kontinuität führten, wo die Zeit nicht die nötige Plastizität besass. Desalb bleibt Burckhardts Lektion so kostbar: Das Fachgebiet der Geschichte muss sich als eine “Symptomatologie der Zeit” verstehen, die Latenzen (plastische Prozesse) und Krisen (nichtplastische Prozesse) zusammen zu interpretieren vermag. Wir müssen die Plastizität des Werdens daher als das begreifen, was dem Beben – der Krise nach Burckhardt, dem “Urschmerz” nach Nietzsche, dem “Trauma” nach Freud – ermöglicht, zu überleben, sich zu verwandeln, das heisst im Symptom (einem zugleich plastischen und nichtplastischen Prozess) wiederzukehren, ohne das Milieu, in das es einbricht, vollständig zu zerstören. Die Plastizität des Werdens ist nicht ohne Brüche in der Geschichte vorstellbar.

(…)

… Die Wiederholung zerlegt das Wiederholte, funktioniert nicht als Rückkehr zum Gleichen. Das bringt Deleuze gut zum Ausdruck, wenn er Nietzsches ewige Wiederkehr dem Einen (keine Wiederholung ohne Vielfalt) und dem Gleichen (keine Wiederholung ohne Unterschied) entreisst. (G. Deleuze, Nietzsche und die Philosophie, übers. von B. Schwibs, München: Rogner und Bernhard, 1976) Genau das meinte auch Klossowski, als er den Kreislauf der ewigen Wiederkehr als einen “circulus vitiosus” charakterisierte, der in seiner verdrehenden oder “per-vertierenden” Wirkung niemals vorauszusehen sei. (P. Klossowski, Nietzsche und der Circulus vitiosus, übers. von R. Vouillé, München: Matthes und Seitz, 1986)

(…)

… Wissen bedeutet selbst auf historischer Ebene nicht “wiederfinden” und erst recht nicht “uns selbst wiederfinden”. Die Historie wird in dem Masse “wirklich” sein, wie sie das diskontinuierliche in unser Sein einführt, Sie wird unsere Gefühle unterteilen und unsere Triebe dramatisieren; sie wird unseren Leib vervielfachen und ihm selbst entgegensetzen, Sie wird nichts unter sich dulden, das die beruhigende Stabilität des Lebens oder der Natur besässe; sie wird sich nicht von einer stummen, beharrlichen Bewegung tragen lassen, die angeblich in ein grosses Ziel mündet, Sie wird ihre eigenen Fundamente untergraben und die vorgebliche Kontinuität zerstören. Den Wissen dient nicht dem Verstehen, sondern dem Zerschneiden. (M. Foucault, “Nietzsche, die Genealogie, die Historie”, übers. von M. Bischoff, in: ders., Dits et Ecrits. Schriften, 4 Bde., Frankfurt am Main,: Suhrkamp, 2001 – 2005, Bd 2, S. 166 – 191.)

11.11.10, stefan
category: Material, Topic, general, still life

Bild oben: Stillleben am 11. November 2010 (Kolloquium “Stillleben und stille Wandlungen”).

Bild unten: Mein Beitrag zum Seminar Kunstforschung an der HSLU D&K (Recycling und  Copyright –  ”Material und Erinnerung”) am 10. November 2010 .

26.10.10, stefan
category: Material, general, recycling, still life

Zitat aus Stefan Gritsch, Stillnow, Ein Schnitt in die Farbhaut oder das aufgeschobene Bild, AkkuH, Aktuele Kunst Hengelo und/and PHOEBUS Rotterdam, 2010, S.35/36 BILDKOMPOSITION (die Teile und das Ganze)

Die Anzahl massiver Acrylfarbvolumina wächst seit 20 Jahren stetig an. Die immer gleichen Farbstücke treten an verschiedenen Ausstellungsorten in neuen Konstellationen auf (zuletzt in den Ausstellungen “STILLNOW” bei Phoebus NL-Rotterdam und “IN BETWEEN) bei akkuH NL-Hengelo). Einzelne Stücke verändern sich im laufe der Jahre. Sie erhalten neue Farbkappen, schliessen sich zu Konglomeraten zusammen und wachsen so zu immer grösseren und schwereren Farbkörpern aus. In geeigneten Ausstellungsräumen werden die Farbstücke auf Tischen oder auf dem Boden ausgelegt. Der Tisch oder der Boden als Ort für die Malerei. Der Ausstellungsbesucher kann sich schauend und berührend um das “Stillleben mit Farbstücken” bewegen oder sich zwischen die Farbstücke am Boden begeben, sich in der Malerei aufhalten. Die vom Künstler festgelegte Komposition erweist sich im Auge des Betrachters als etwas Veränderliches, Vorläufiges oder Vorübergehendes. Den festen Standpunkt gibt es nicht. Und das provisorische Bild wird bald abgebaut.

“Nach dem Stillleben” (Monotypie)

01.10.10, kathrin
category: Design, Material, general, recycling, research

Im August fertigte Herr Jäggi /Sto AG in seinem Labor in Subingen erste Musterplatten mit Acrylfarbvolumina-Granulat an.

Zwei Möglichkeiten verfolgen wir zur Zeit: 1. Ein mineralischer Verputz mit dem Granulat als Zuschlagstoff, der im Wand- und Bodenbereich eingesetzt wird, 2. eine mehrfache Epoxy-Beschichtung auf einem Holzwerkstoffträger, die im Möbelbau Verwendung findet.

Mineralischer Verputz mit Granulat-Zuschlag (vor dem Abbinden)

Mineralischer Verputz, angeschliffen (noch nicht vollständig ausgetrocknet)

Herr M. Jäggi /Sto AG streut die erste Granulat-Schicht auf den Epoxy-Harz

Die erste Schicht Granulat ist in den Epoxy eingestreut und muss trocknen,

bevor der Zwischenschliff und eine weitere Schicht aufgebracht werden kann.

13.09.10, stefan
category: general

01.06.10, stefan
category: artwork, exhibition, general

14.05.10, stefan
category: Topic, artwork, content, general


24.04.10, stefan
category: Material, Topic, artwork, general, recycling


Knochen und Acrylfarbe

22.04.10, stefan
category: Topic, artwork, general, recycling

Ammerswilerstrasse, CH-5600 Lenzburg

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