19.07.11, stefan
category: Material, artwork, sculpture, still life, time



24.06.11, stefan
category: Theorie, artwork, sculpture, still life, time


Zitat aus Jacques Derrida, Die différance, ausgewählte Texte, Reclam, ISBN 978-3-15-o18338-0:

Es ist bekannt, dass das Verb “différer” (lateinisch differrer) zwei Bedeutungen hat, die anscheinend sehr verschieden sind; im Littré zu Beispiel sind sie Gegenstand zweier getrennter Artikel. In diesem Sinne ist das lateinische diferre nicht die einfache Uebersetzung des griechischen diapherein, und dies wird für uns nicht folgenlos bleiben, da es unser Thema an eine besondere Sprache bindet, die als weniger philosophisch, weniger original philosophisch als die andere gilt. Denn die Verteilung des Sinns im griechischen diapherein umfasst eine der beiden Bedeutungen des lateinischen differre nicht, nämlich die Tätigkeit, etwas auf später zu verschieben, sich von der Zeit und den Kräften bei einer Operation Rechenschaft abzulegen, die Rechnung aufzumachen, die ökonomischen Kalkül, Umweg, Aufschub, Verzögerung, Reserve, Repräsentation impliziert, alles Begriffe, die ich hier in einem Wort zusammenfasse, das ich nie benutzt habe, das man jedoch in diese Kette einfügen könnte: die Temporisation. Différer in diesem Sinne heisst temporisieren, heisst bewusst oder unbewusst auf die zeitliche und verzögernde Vermittlung eines Umweges rekurrieren, welcher die Ausführung oder die Erfüllung des “Wunsches” oder “Willens” suspendiert und sie ebenfalls auf eine Art verwirklicht, die ihre Wirkung aufhebt oder temperiert. Und wir werden – später – sehen, inwiefern diese Temporisation auch Temporalisation und Verräumlichung ist, Zeit-Werden des Raumes und Raum-Werden der Zeit; “originäre Konstitution” von Zeit und Raum würde die Metaphysik oder die transzendentale Phänomenologie in jener Sprache sagen, die hier kritisiert und verschoben wird.

Die andere Bedeutung von différer ist die eher gewöhnliche und identifizierbare: nicht identisch sein, anders sein, erkennbar sein und so weiter. Handelt es sich um différen(t)(d)s*, ein Wort das man also schreiben kann, wie man will, mit t oder d am Ende, Andersheit von Unähnlichem oder Andersheit von Allergie und Polemik, so ist erforderlich, dass zwischen den verschiedenen Elementen aktiv, dynamisch und mit beharrlicher Wiederholung, Intervall, Distanz, Verräumlichung entstehen. * différend: Meinungsverschiedenkheit, Zwist, Streit (Anm. d. Uebers.) (Seite 117/118)

Mit dem Gedanken der différance wird die Bestimmung des Seins als Anwesenheit oder als Seiendes erfragt. Eine solche Frage könnte hier nicht aufkommen und verständlich sein, ohne dass irgendwo der Unterschied des Seins zum Seienden sich auftäte. Erste Konsequenz: die différance ist nicht. Sie ist kein gegenwärtig Seiendes, so hervorragend einmalig, grundsätzlich oder transzendet man es wünschen mag. Sie beherrscht nichts, übt nirgends eine Autorität aus. Sie kündigt sich durch keine Majuskel an. Nicht nur gibt es kein Reich der difféerance, sondern diese stiftet zur Subversion eines Reiches an. So wird sie offensichtlich bedrohlich, und all das muss sie unvermeidlich fürchten, was uns das Reich, die vergangene oder künftige Gegenwart eines Reiches wünscht. Und immer lässt sich ihr im Wahn, sie erhöhe sich durch eine Majuskel, im Namen eines Reiches der Vorwurf machen, sie wolle herrschen. (Seite 138/139)

Da die Spur kein Anwesen ist, sondern das Simulacrum eines Anwesens, das sich auflöst, verschiebt, verweist, eigentlich nicht stattfindet, gehört das Erlöschen zu ihrer Struktur. Nicht nur jenes Erlöschen, dem sie stets muss unterliegen können, sonst wäre sie nicht Spur, sondern unzerstörbare Substanz, vielmehr jenes Erlöschen, welches sie von Anfang an als Spur konstituiert, als Ortsveränderung einführt und in ihrem Erscheinen verschwinden, in ihrer Position aus sich hinausgehen lässt. Das Erlöschen der frühen Spur des Unterschiedes ist also “dasselbe” wie das Zeichen ihrer Spur im metaphysischen Text. Dieser muss das Merkmal (marque) des Verlorenen oder Zurückbehaltenen, des beiseite Gelegten, bewahrt haben können. Pradox an einer solchen Struktur ist, in der Sprache der Metaphysik, jene Umkehrung des metaphysischen Begriffs, die den folgenden Effekt produziert: das Anwesende wird zum Zeichen des Zeichens, zur Spur der Spur. Es ist nicht mehr das, worauf jede Verweisung in letzter Instanz verweist. Es wird zu einer Funktion in einer verallgemeinerten Verweisungsstruktur. Es ist Spur und Spur des Erlöschens der Spur. …


14.06.11, stefan
category: artwork, content, recycling, research, sculpture, still life

09.05.11, stefan
category: artwork, garden, general, sculpture, still life, time

Atelierhof CH-Lenzburg

Ch-Agra/Tessin

PHOEBUS Rotterdam, NL-Rotterdam

CH-Lenzburg

19.04.11, stefan
category: Material, artwork, garden, still life

01.02.11, stefan
category: Design, Material, artwork, exhibition, sculpture, still life

16.11.10, stefan
category: Material, Theorie, artwork, general, sculpture, still life


Zitat aus Georges Didi-Huberman, Das Nachleben der Bilder, suhrkamp, S. 174 – 176, S. 182 – 183, S. 190 – 191 und S. 193 – 194: Erinnern wir uns, wie bemerkenswert Gilles Deleuze diese Dynamik erhellt hat. Der Körper? “Nichts als Kraftquanten in einem wechselseitigen ‘Spannungsverhältnis’.” Das Objekt? Das Objekt? “Das Objekt selbst ist Kraft, ist Ausdruck einer Kraft …, das Auftreten einer Kraft.” Die Geschichte? “Die Geschichte eines Dings besteht ganz allgemein in der Aufeinanderfolge der Kräfte, die sich seiner bemächtigen, sowie im gleichzeitigen Vorhandensein der Kräfte, die um seine Ueberwältigung ringen. Ein und dasselbe Ding … ändert jeweils entsprechend den Kräften, von denen es angeeignet wird, seinen Sinn.” (G. Deleuze 1962, Nietzsche und die Philosophie, München: Rogner und Bernhard, 1976, S. 7 – 8, 10 – 11 und 45) Hier sei sogleich angemerkt, dass Warburg sich den Status der im wechselvollen Gang des Nachlebens und der Wiedergeburten immer wieder angeeigneten antiken “Formeln” nicht anders vorgestellt hat.

Die hier gemeinte “Kraft” hat durchaus Bezüge zu den – schon von Burckhardt verwendeten – historischen Konzepten: Kraft, Macht, Potenz. Eine weitere Präzisierung erfährt der Begriff bei Nietzsche (wie auch bald schon bei Warburg) durch den Gedanken einer doppelten Zeitlichkeit, einer Konjunktion zweier heterogener Rhythmen. Erstens ist die Kraft eines Nachlebens fähig: Das betrifft die Erinnerung. “Vielleicht kann der Mensch nichts vergessen”, schreibt Nietzsche zur Zeit des zweiten Stücks der Unzeitgemässen Betrachtungen. “Alle Formen, die einmal vom Gehirn und Nervensystem erzeugt sind, wiederholt es von jetzt ab so oft. Eine gleiche Nerventhätigkeit erzeugt das gleiche Bild wieder.” (F. Nietzsche 1869 – 1874, S. 447, Fragment 19.82) Mit kritischem Blick auf Bakunin, “der im Hass gegen die Gegenwart, die Geschichte und die Vergangenheit vernichten will”, schreibt er weiter: “Nun wäre um alle Vergangenheit zu tilgen freilich nöthig, die Menschen zu vertilgen.” (Ebd., S. 580, Fragment 26.14) Das also ist die vitale – tiefe, unbewusste – Macht der Mnemosyne: Alle Tradition wäre jene fast unbewusste der ererbten Charactere: die lebenden Menschen wären, in ihren Handlungen, Beweise, was im Grunde durch sie tradiert werde; mit Fleisch und Blut liefe die Geschichte herum, nicht als vergilbtes Document und als papiernes Gedächtnis. (Ebd., S. 702, Fragment 29.172) Nietzsche vergisst hier vielleicht, was Warburg sein Leben lang, vom Florentiner Archivio bis zur Hamburger Bibliothek, erfahren hat: Die “vergilbten Dokumente” sind ihrerseits das Fleisch des Gedächtnisses, und die Tinte, mit der sie bedeckt sind, ist das geronnene Blut der Geschichte. Entscheidend ist jedoch der Gedanke, der in diesen Zeilen zum Ausdruck kommt, der Gedanke eines als Material verstandenen Gedächtnisses, als Material der Dinge. Im Anschluss an die Frage nach dem Unbewussten – also ob es ein “es denkt” gibt – formuliert Nietzsche schliesslich diese bemerkenswerte Hypothese: “Wenn Gedächtnis und Empfindung das Material der Dinge wären!” (Ebd., S. 471, Fragment 19.165)

Aber welche Art von Material? Darauf gibt es nur eine Antwort: ein plastisches Material. Also ein Material, das zu jeglicher Metamorphose fähig ist. Das Nachleben lehrt uns Unzerstörbarkeit der Spuren. Die Metamorphose lehrt uns ihre relative Auslöschung, ihre unablässige Umwandlung. Nach der Seite des Vergessens, wenn man so will (aber sofern man es als ein für das Gedächtnis selbst lebenswichtiges Vergessen denkt). Die Plastizität taucht in Nietzsches Text genau an der Stelle auf, an der es notwendig wird, die beiden Regime des Werdens gemeinsam zu denken: das Regime des Schlags, wie man sagen könnte, oder der Wirkung (mitten im Beben, unter seiner Einwirkung, vergessen wir alles) und das Regime des Rückschlags oder der Nachwirkung (während des Nachlebens, in der Nachwirkung, erinnern wir uns, und sei es auch, ohne es zu wissen). Der Mensch vergisst nichts von seinem “Urschmerz”. Aber er wandelt das alles um. Der dieser Prägung und diesem Umwandlungsvermögen gemeinsame Agent ist nichts anderes als die Plastizität – diese maetrielle Kraft – des Werdens.

(…)

Und tatsächlich geht es hier immer um “Kräfte” und dialektische Spannungen. Müsste man, um genauer  zu sein, die geschichtliche Zeit nicht eher als ein halbplastisches Material bezeichnen? Plastizität allein vermag nicht zu erklären, was sie aufnimmt und absorbiert, was auf sie einwirkt und sie verwandelt. Man muss die Plastizität und die Naht (die Art, wie der Boden vernarbt ist) vor dem Horizont des Bruchs denken (der Art, wie der Boden nachgegeben hat, gebrochen ist, nicht plastisch genug war). Der Historiker wandelt an Abgründen, weil Beben stattgefunden haben, die dort zu einem Bruch der historischen Kontinuität führten, wo die Zeit nicht die nötige Plastizität besass. Desalb bleibt Burckhardts Lektion so kostbar: Das Fachgebiet der Geschichte muss sich als eine “Symptomatologie der Zeit” verstehen, die Latenzen (plastische Prozesse) und Krisen (nichtplastische Prozesse) zusammen zu interpretieren vermag. Wir müssen die Plastizität des Werdens daher als das begreifen, was dem Beben – der Krise nach Burckhardt, dem “Urschmerz” nach Nietzsche, dem “Trauma” nach Freud – ermöglicht, zu überleben, sich zu verwandeln, das heisst im Symptom (einem zugleich plastischen und nichtplastischen Prozess) wiederzukehren, ohne das Milieu, in das es einbricht, vollständig zu zerstören. Die Plastizität des Werdens ist nicht ohne Brüche in der Geschichte vorstellbar.

(…)

… Die Wiederholung zerlegt das Wiederholte, funktioniert nicht als Rückkehr zum Gleichen. Das bringt Deleuze gut zum Ausdruck, wenn er Nietzsches ewige Wiederkehr dem Einen (keine Wiederholung ohne Vielfalt) und dem Gleichen (keine Wiederholung ohne Unterschied) entreisst. (G. Deleuze, Nietzsche und die Philosophie, übers. von B. Schwibs, München: Rogner und Bernhard, 1976) Genau das meinte auch Klossowski, als er den Kreislauf der ewigen Wiederkehr als einen “circulus vitiosus” charakterisierte, der in seiner verdrehenden oder “per-vertierenden” Wirkung niemals vorauszusehen sei. (P. Klossowski, Nietzsche und der Circulus vitiosus, übers. von R. Vouillé, München: Matthes und Seitz, 1986)

(…)

… Wissen bedeutet selbst auf historischer Ebene nicht “wiederfinden” und erst recht nicht “uns selbst wiederfinden”. Die Historie wird in dem Masse “wirklich” sein, wie sie das diskontinuierliche in unser Sein einführt, Sie wird unsere Gefühle unterteilen und unsere Triebe dramatisieren; sie wird unseren Leib vervielfachen und ihm selbst entgegensetzen, Sie wird nichts unter sich dulden, das die beruhigende Stabilität des Lebens oder der Natur besässe; sie wird sich nicht von einer stummen, beharrlichen Bewegung tragen lassen, die angeblich in ein grosses Ziel mündet, Sie wird ihre eigenen Fundamente untergraben und die vorgebliche Kontinuität zerstören. Den Wissen dient nicht dem Verstehen, sondern dem Zerschneiden. (M. Foucault, “Nietzsche, die Genealogie, die Historie”, übers. von M. Bischoff, in: ders., Dits et Ecrits. Schriften, 4 Bde., Frankfurt am Main,: Suhrkamp, 2001 – 2005, Bd 2, S. 166 – 191.)

11.11.10, stefan
category: Material, Topic, general, still life

Bild oben: Stillleben am 11. November 2010 (Kolloquium “Stillleben und stille Wandlungen”).

Bild unten: Mein Beitrag zum Seminar Kunstforschung an der HSLU D&K (Recycling und  Copyright –  ”Material und Erinnerung”) am 10. November 2010 .

26.10.10, stefan
category: Material, general, recycling, still life

Zitat aus Stefan Gritsch, Stillnow, Ein Schnitt in die Farbhaut oder das aufgeschobene Bild, AkkuH, Aktuele Kunst Hengelo und/and PHOEBUS Rotterdam, 2010, S.35/36 BILDKOMPOSITION (die Teile und das Ganze)

Die Anzahl massiver Acrylfarbvolumina wächst seit 20 Jahren stetig an. Die immer gleichen Farbstücke treten an verschiedenen Ausstellungsorten in neuen Konstellationen auf (zuletzt in den Ausstellungen “STILLNOW” bei Phoebus NL-Rotterdam und “IN BETWEEN) bei akkuH NL-Hengelo). Einzelne Stücke verändern sich im laufe der Jahre. Sie erhalten neue Farbkappen, schliessen sich zu Konglomeraten zusammen und wachsen so zu immer grösseren und schwereren Farbkörpern aus. In geeigneten Ausstellungsräumen werden die Farbstücke auf Tischen oder auf dem Boden ausgelegt. Der Tisch oder der Boden als Ort für die Malerei. Der Ausstellungsbesucher kann sich schauend und berührend um das “Stillleben mit Farbstücken” bewegen oder sich zwischen die Farbstücke am Boden begeben, sich in der Malerei aufhalten. Die vom Künstler festgelegte Komposition erweist sich im Auge des Betrachters als etwas Veränderliches, Vorläufiges oder Vorübergehendes. Den festen Standpunkt gibt es nicht. Und das provisorische Bild wird bald abgebaut.

“Nach dem Stillleben” (Monotypie)

02.10.10, stefan
category: artwork, still life


13.09.10, stefan
category: Material, Topic, artwork, still life, tool


17.08.10, stefan
category: Material, artwork, recycling, research, still life


Versuche in Luzern/Littau im Juni und August 2010 (Acrylfarbe, 1990 – 2010)